Bei Gewinnspielen gewinnen immer nur die Anderen - warum ist das so?

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  • Hurra, die Weihnachtszeit hat viele von uns bereits erfasst, unter anderem nimmt die Zahl der Gewinnspiele konstant zu. Wie schön!

    Spielen auch Sie immer wieder bei Gewinnspielen im Internet oder sonst wo mit und haben noch nie den oder einen der Hauptpreise gewonnen? Ich kann Ihnen erklären, warum das so ist. Lesen Sie die nächsten Zeilen.

    Die Konzepte für die Gewinnspiele werden zumeist von der Marketing-Abteilung des Unternehmens – oft gemeinsam mit externen Beratern – ausgearbeitet. Die Durchführung selbst, vor allem die Verteilung der Preise, wird dann vom Stammpersonal übernommen und von der Geschäftsleitung bzw. den für die Kampagne Verantwortlichen nicht - oder zumindest selten - auf ihre korrekte Durchführung überprüft. Da durch die fehlende Kontrolle jede der durchführenden Personen ihre Freunde, Verwandten und Bekannten zu bevorzugen in der Lage ist, versickern die Hauptgewinne bei der Verteilung. Sie als TeilnehmendeR bleiben mit Trostpreisen übrig.

    Sie glauben es nicht? Ich weiß, das ist nicht nur unehrlich, im Prinzip wäre es auch rechtlich anfechtbar, gäbe es da nicht bei all diesen Spielen den Passus „Rechtsweg ist ausgeschlossen“. Auch meine hier getätigte Behauptung könnte man als unpassende Unterstellung ad acta legen, hätte ich dazu nicht folgenden Erfahrungsbericht für Sie:

    Vor einigen Jahren (2008) gab es ein Gewinnspiel einer sehr bekannten Drogeriekette eines großen europäischen Konzerns. Diese Drogeriekette lobte als Marketing-Strategie für einen großen Hersteller von Präservativen und Spielzeug für Erwachsene fünfmal einen dreitägigen Aufenthalt in einer burgenländischen Therme aus, der auch Wohlfühlmassagen und ein spezielles Abendessen beinhaltete.

    Dies war ein interessantes Angebot und ich konnte dem nicht widerstehen, somit nahm ich an dem Gewinnspiel teil. Einige Wochen später erhielt ich einen überraschenden Anruf mit der freudigen Mitteilung, einen der fünf Hauptpreise gewonnen zu haben. Die freundliche Dame des die Aktion durchführenden Subunternehmens, eine Agentur, teilte mir mit, die Unterlagen würden mir innerhalb der nächsten Tage per Post zugestellt werden.

    Die freudige Erwartung dauerte länger als gedacht, doch eines Tages fand ich eine Nachricht der Post vor, die mir ein Paket der Drogeriekette zur Abholung avisierte. Ein Paket?

    Bei der Ausfolgung des Poststückes in der Postfiliale kam ich mit dem Erstaunen nicht mehr zurecht. Es war ein schmuddeliger, teils beschädigter Karton, den ich plötzlich in Händen hielt. Das sollte einer der Hauptpreise sein?

    War es auch nicht! Bei Öffnung des „schmucken“ Kartons fielen mir ein Sortiment Präservative, Gleitmittel und sonstige Utensilien, die man von Sex-Shops her vielleicht kennt, entgegen. Dabei war noch ein unscheinbares Zettelchen, welches mir mitteilte, ich hätte beim Preisausschreiben gewonnen und man würde mir dazu herzlich gratulieren. Na gratuliere! Ich ließ es dabei natürlich nicht bewenden, reklamierte bei der Agentur und erhielt die Antwort, man würde sehr bedauern, es läge dies jedoch in Händen der Drogeriekette und man könne es nicht ändern. Als ich nicht locker ließ bot man mir zur Entschädigung einen Gutschein auf eine Nächtigung in Salzburg an, was ich jedoch zurückwies.

    Erbost wandte ich mich an die österreichische Konzernzentrale des Unternehmens und erzählte der Chefsekretärin den Sachverhalt, worauf diese mir recht gab, sich im Namen des Unternehmens entschuldigte und erklärte, man würde die Angelegenheit prompt erledigen. Zwei Tage später hielt ich den Gutschein für den Aufenthalt in Stegersbach in Händen. Hätte die Dame der Werbeagentur mir diesen Gewinn nicht vorab avisiert, so wären diese Wellness-Tage spurlos an mir vorbeigegangen. Dafür hätte ein Bekannter, Freund oder Verwandter des bzw. der Sachbearbeiterin an meiner Stelle drei nette Tage im Burgenland genossen.

    Wer bei den von Ihnen teilgenommenen Preisausschreiben an Ihrer Stelle jene Vorteile genossen hat, die eigentlich Sie gewonnen hätten, kann ich Ihnen leider nicht sagen, tut mir sehr leid.

    www.der-denker.net - www.stefan-svec.eu

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