Es grünt zu grün in Wien

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  • BLOGARTIKEL VON 2014-04-23

    Heute vormittags gegen 11:00 Uhr wurden die MieterInnen des Olof-Palme-Hofs von einem Mitarbeiter von Wiener Wohnen kontaktiert und es wurde uns mitgeteilt, dass wir in ca. vierzehn Tagen mit der Räumung und Demontage aller Gegenstände, somit auch der auf den Gängen vorhandenen Pflanzen, rechnen müßten. (Übrigens: Ein idealer Zeitpunkt für eine solche Info-Tour, zumindest für die Pensionisten.)

    Als Grund wurden einmal mehr die feuerpolizeilichen Bestimmungen genannt und auf Gefährdung bei Benützung der Fluchtwege hingewiesen. Auf eine Diskussion über Sinn und Zweck des Vorgehens in diesem speziellen Fall ließ sich der„Sonderreferent des Kundenmanagements Süd“ nicht ein. Er sei nur beauftragt worden, dieses Projekt umzusetzen, wem es nicht passe der möge versuchen, die Feuerschutzbestimmungen von Wien abändern zu lassen (eine Frechheit).

    Ihnen als unbeteiligtem Leser dieser Zeilen mag das verständlich sein, Sie denken wahrscheinlich, was wollen die wegen einiger Pflanzen? Doch es geht hier um weit mehr als nur um die Pflanzen, es geht um all den Kram, den viele MieterInnen über viele Jahre auf den Gängen aufbewahrt haben, es geht um die Kompetenz von Wiener Wohnen generell.

    Es wirft das vor allem drei Hauptfragen und viele Nebenfragen auf:

    1. Wie konnte es sein, dass all dies über siebenunddreißig Jahre(37!) geduldet wurde?
    1.1. Waren in den vergangenen 37 Jahren die Wiener Brandschutzbestimmungen so lasch?
    1.2. Wenn ja, wer ist dafür verantwortlich, dass diese Bestimmungen so lasch waren?
    1.3. Wie werden jene, die diese Bestimmungen vernachlässigt haben, zur Verantwortung gezogen? (Das bleibt wohl ein Wunschdenken!)
    1.4. Waren die Bestimmungen in den Grundzügen immer schon vorhanden?
    1.5. Wenn ja, wer trägt die Verantwortung dafür, dass Wiener Wohnen bisher so lasch dafür gesorgt hat, diese Bestimmungen auch umzusetzen? (Der Ausdruck „lasch“ darf hier als eine Schmeicheleinheit für Wiener Wohnen verstanden werden.)
    1.6. Wer sind diese Personen und wie können sie zur Verantwortung gezogen werden?
    1.7. Wie erklären Wiener Wohnen und die Städtische Feuerwehr den Umstand, dass auf unseren Gängen brennbare Teppiche gelegt wurden? Das Argument, „es seien mittlerweile die Bestimmungen verschärft worden“, ist wirklich fadenscheinig, es sei denn man wäre hier völlig sorglos, d. h. verantwortungslos tätig gewesen.
    1.8. Wie wird Wiener Wohnen argumentieren, wenn man ihnen vorwirft, all jene Zustände, die auch im Punkt 2 aufgelistet sind (und andere), jahre- bzw. jahrzehntelang toleriert zu haben?
    1.9. Werden die Medien auch weiterhin Stillschweigen bewahren, um die lukrativen Werbeeinschaltungen von Wiener Wohnen und der in Wien allmächtigen SPÖ nicht zu verlieren?


    2. Wie will man denn in Zukunft sicherstellen, dass sich all dieseZustände nicht innerhalb der nächsten paar Tage nach der Räumung wiedergleicherart etablieren?
    Nein, es geht hier nicht mehr um die Blumen, sondern
    2.1. es geht um die Einkaufswagerln, die auf den Gängen, in denAufzugsvorräumen, in den Aufzügen selbst und vor Haustoren abgestellt werden,
    2.2. es geht um Kästen, Mistsäcke, Fahrräder, Kinderwägen und alles nurerdenklich andere, was sich besser ausserhalb der Wohnung verstauen läßt, dieMitbewohnerInnen sind ja sowieso egal,
    2.3. und es geht letztlich auch um die Berge von Schuhen, die auf den Gängenabgestreift und "aufbewahrt" werden, egal jetzt ob auf den Türmatten,inmitten der Gänge vor der Tür oder auch in Hängefächern. Ist es nicht einefremdenfeindliche Maßnahme, wenn man diesen Mitmenschen die Schuhe wegnimmt?
    2.4. Wie will man damit umgehen, dass in den öffentlich zugänglichen Räumen(Fahrradräume) nach wie vor alle möglichen sperrigen Gegenstände abgestelltwerden, damit man sich Mühe und Kosten erspart, diese auf einem öffentlichenMistplatz zu entsorgen?
    2.5. Wie wird man künftig mit verstärkter Kontrolle, verschärfter Kritikumgehen? Vielleicht mit der Neuerschaffung eines speziellen Beschwerdenamtes, auch„Auslagerung“ genannt, wie dies in den letzten Jahren so üblich war? Wird esdann wie bisher bei der Entgegennahme von Beschwerden heißen, „wir haben IhreBeschwerde entgegengenommen und werden uns binnen 5 oder 7 Tagen bei Ihnenmelden“? (Derzeit sind es 48 Stunden, aber was nicht ist kann ja noch werden. „Kommunikationsoptimierung“, ein schönes Wort!)

    3. Die dritte große Frage wird sein, wie die MieterInnenvertretungreagieren wird.
    3.1. Wird sie die Mühe auf sich nehmen, die Maßnahmen von Wiener Wohnen zukontrollieren?
    3.2. Wird sie gewillt sein, sich den zu erwartenden Streitigkeiten mit derWohnhausverwaltung einerseits und den MieterInnen andererseits zu stellen oderwerden kritische MieterInnen wieder Antworten wie „ich habe jetzt keine Zeit“,„das geht mich nichts an“ oder „das ist eben so“ zu hören bekommen?
    3.3. Wird sie endlich dafür sorgen, dass auch die Mitarbeiter der privaten, vonden MietervertreterInnen beauftragten Reinigungsfirma Mißstände melden und dassdiese dann beseitigt werden?

    Fragen über Fragen, weitere Einzelheiten dazu in den nächsten Tagen. Auf eines freue ich mich aber schon heute: Auf die Charmeoffensive der Leute der sozialdemokratischen Partei, die wie angekündigt in den nächsten Wochen und Monaten „Klinken putzen“ werden, wie man bei uns zu sagen pflegt. Glauben Sie, dass diese auch bei uns anläuten werden oder – so wie heute der„Sonderreferent“ - schüchtern angeklopft wird, wohl in der Hoffnung, nicht gehört zu werden?

    Ja übrigens: "Es grünt so grün in Wien." ist ein aktueller Werbeslogan der Stadt Wien, nur dies sprichwörtlich zu nehmen wäre ein Fehler.

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