Mir geht es um klare Regeln.

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  • BLOGARTIKEL VON 2011-02-02

    Im Wahlkampf zur Gemeinderatswahl 2010 ließ Herr Bürgermeister Dr. MichaelHäupl verlautbaren, es ginge ihm um „klare Regeln des Miteinanderlebens".
    Nun könnte man als Außenstehender bzw. Unbedarfter damit spekulieren, dasses solche bisher nicht gab, was eigentlich äußerst befremdlich wäre, wenn manüberlegt, wie lange die Wiener SPÖ hier schon uneingeschränkthauptverantwortlich ist.

    Gutmütige WienerInnen ebenso wie Wurschtigkeitsfanatiker könnten dieseAussage auch dahingehend interpretieren, dass die schon vorhandenen Regeln zumZusammenleben eben aufgrund der permantenten Überforderung unsererPolitikerInnen und Stadtbeamten durch die so vielfältigen Aufgaben desöffentlichen Lebens – hier eine Eröffnung, dort ein Bankett, dann wieder einanderes Festerl – nicht klar genug formuliert werden konnten, sogenanntes Amts-oder Beamtendeutsch eben.

    Lediglich die Eingeweihten wissen, dass jede Regel nur so gut ist, wie derenEinhaltung überprüft und eingefordert wird. Des Weiteren hängt es auch davonab, ob ein Regelverstoß Strafen nach sich ziehen könnte, ob diese nur angedrohtoder auch tatsächlich verhängt werden.

    Eines von vielen Beispielen ist die 30 km-Zone in sensiblenVerkehrsbereichen. Eine solche Zone gibt es in der Per-Albin-Hansson-Siedlungseit langem, sie ist jedoch ausgesprochen nutzlos, weil dieseGeschwindigkeitsbegrenzung nicht überprüft wird und somit für alleundisziplinierten Autolenker ohne Konsequenzen bleibt. Aber nur für diese, dennjener Teil, der sich an die Regel halten möchte, muß jederzeit damit rechnen,dass er von der anderen Gruppe angepöbelt wird oder ihm noch Schlimmereswiderfährt. (Ähnlich die Situation bei Fußgängerschutzwegen, was sich in denZahlen der Unfallstatistik widerspiegelt.)

    Ein anderes Beispiel sind die Wiener Waste-Watcher, die es seit nunmehr dreiJahren gibt. So steht heute in einem bunten österreichischenMöchtegern-Tagesjournal zu lesen, dass es in diesen drei Jahren sage undschreibe zweitausendfünfundneunzigmal (2095x!) Anzeigen in Sachen Hundekotgegeben habe. Bei großzügiger Rechnung von 780 Werktagen wären das runde 2,7Anzeigen täglich.

    Bei Gründung der Waste-Watcher waren dreißig MitarbeiterInnen unterwegs, fürdas gesamte Stadtgebiet, wohlgemerkt. Wieviele MitarbeiterInnen es jetzt sind,war den Info-Seiten nicht zu entnehmen, sind es also fünfzig oder gar achtzig?Wenn man nun die Zahl der Anzeigen mit jenen der Mitarbeiter dividiert sokommen dabei nahezu mikrokosmische Ergebnisse zustande.

    Ich möchte Ihnen auch die Zahl der angegebenen sonstigen Verunreinigungennicht vorenthalten: 1.693 innerhalb der letzten drei Jahre. Wenn man bedenkt,dass schon bei einer einzigen weggeworfenen Zigarette eine Organstrafe von €36,- fällig wäre, muß man sich wirklich fragen, was sich StadtpolitikerInneneigentlich dabei denken, wenn sie solche Zahlen noch veröffentlichen. Dass siesich ganz offensichtlich aber zu wenig Gedanken darüber machen, wie man die Stadtbesser sauber hält, zeigen diese Zahlen.

    Eindeutig klar scheint hier auch zu sein, dass es für fehlenden Beißkorb UNDLeine nach wie vor keinerlei Sanktionen gibt. Somit kann es nicht ausbleiben,dass man dumme oder beleidigende Aussagen erhält, wenn man so mancheHundehalterInnen darauf aufmerksam macht, dass hier entweder ein Gackerlsackerloder eben € 36,- fällig wären. Jedenfalls würde ich alleine für den Schnitt von 2,7 zu tätigenden Anzeigentäglich lediglich ca. 20 Minuten benötigen, nämlich vom Tor unserer Stiege bisin den naheliegenden Volkspark. Tolle Leistung das von und mit den WasteWatchern.

    Ja, sehr geehrter Herr Bürgermeister, wir brauchen klare Regeln, aber wirbrauchen auch Menschen, die sich danach halten werden. Ohne Erziehung unterZuhilfenahme von steten Kontrollen und Strafen geht das aber leider nicht, egalin welchen Bereichen des Miteinanderlebens.

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