2005-12-20
- Freigabe der Ladenöffnungszeiten?
Ja, unbedingt und überhaupt!
Und
warum? - Ja, warum eigentlich wirklich?
Darum:
-
Damit
die ausländischen Touristen einkaufen können, auch dann, wenn
derzeit schon überall geschlossen ist.
-
Damit
die österr. Konsumenten nicht in die nördlichen (CZ), östlichen (SK,
H) und südlichen (SLO) Nachbarländer ausweichen müssen.
-
Damit mehr Arbeitsplätze geschaffen werden und dadurch die Zahl der
Arbeitslosen sinkt.
Stimmt
das überhaupt?
Nein,
es stimmt nicht, und wenn dann nur sehr bedingt!
1/
Damit die ausländischen Touristen einkaufen können, auch dann, wenn
derzeit schon überall geschlossen ist.
Das betrifft vor allem die betuchten Touristen, jene, die sich in der
Innenstadt von Wien, den Landeshauptstädten und in den Tourismuszentren
tummeln. (Ob aber gerade jene über eben diese Innenstädte hinaus auf
Shopping-Tour gehen – von der SCS und anderen Shopping-Tempeln einmal
abgesehen, aber dazu kommen wir sowieso noch – bleibt zu
bezweifeln.)
Die
wichtigste Frage aber ist und bleibt hier:
-
Was sollte bzw. wie sollte man diese Touristen dazu bewegen, das
gerade bei uns zu kaufen, was es in allen anderen europäischen Einkaufs-
bzw. Stadtzentren sowieso genau so gibt? Und zwar in mondänen Geschäften
mit selbem Identity-Design der Global Player, von Armani über Swarovski
und was weiß ich noch.
-
Wieviel Umsatz würden diese Luxusgeschäfte am Sonntag in den
durch sie mittlerweile verschandelten Stadtzentren wirklich machen? Und
wer würde davon profitieren?
(Do you remember?
“If it is Thuesday this must be Belgium!” – Nowadays it would be:
“If it is Tuesday this must be VACI UT, if it is Wednesday this must be
KÄRNTNERSTRASSE and GRABEN and if already it is Thursday it must be PARIZSKA
and VACLAVSKE NAMESTI (Wenzelsplatz).”
(Die
Erklärung dazu: In den Sechzigern gab es einen amerikanischen Spielfilm,
der die Europatrips der Amerikaner auf die Schippe nahm. Der Titel übersetzt
hieß somit „Wenn heute Mittwoch ist so müssen wir jetzt in Belgien
sein“. Heutzutage müsste es eben heißen: „Wenn heute Dienstag ist, müssen
wir eben in der Vaci ut in Budapest sein, wenn heute Mittwoch ist,
befinden wir uns sicherlich auf der Kärntnerstraße oder dem Graben in
Wien und wenn heute gar schon Donnerstag ist dann sind das hier die Parizska
und der Wenzelsplatz in Prag.
–
Und dafür stünden dann in den Geschäften Eigentümer und gequälte
Angestellte gelangweilt herum, oder?
Und was hätten die vielen kleinen bodenständigen österreichischen
Betriebe davon?
2.
Dass die österr. Konsumenten nicht in die nördlichen (CZ), östlichen
(SK, H) und südlichen (SLO) Nachbarländer ausweichen müssen.
2.1.
Das Preisniveau
- Wenn man sich die Preise in den benachbarten Städten mit nennenswertem
früherem Einkaufstourismus ansieht (Tschechisch Budweis, Brünn,
Bratislava und Sopron) dann sieht man vor allem beim kleinen Sopron, dass
dort mittlerweile Tristesse eingezogen ist. Es gibt kaum noch wirkliche
Einkaufstouristen so wie einst, vieles scheint heruntergekommen und
vernachlässigt. Das Einzige was hier noch zählt sind die niedrigeren
Kosten für Dental- und Kosmetikdienste. Alles andere hat längst das
Preisniveau des österreichischen Marktes – manches schon darüber (!) -
und kein Mensch fährt mehr deshalb in die Nachbarländer. Und wenn dann
nur des Spaßfaktors wegen, weil eben das Ambiente in Bratislava oder Brünn
ein anderes ist als bei uns. Die Preise für Speisen und Getränke sind
aber auch dort im allgemeinen bereits angeglichen. (She. Preise)
2.2.
Von wegen ausweichen müssen:
-
Eines jener Unternehmen, welches ganz vehement auf die Sonntagsöffnung
drängt, ist der Global Player IKEA. Dieses Unternehmen aber hat selbst
Einkaufshäuser in BRÜNN, in BRATISLAVA und in BUDAPEST. (Zugegeben, die
Soproner werden eher in die SCS als nach Budapest fahren, aber das ist ein
anderes Thema).
-
Ein anderes Unternehmen, nämlich SPAR, um exakt zu sein INTERSPAR,
hat erst vor kurzem ein großes Einkaufszentrum in Sopron eröffnet. Die
Preise?
-
Die Preise: Einen Vergleich von Preisen und Löhnen trage
ich demnächst nach. Ich möchte dazu noch einiges recherchieren. Aber
auch hier werden Sie sicher von den Resultaten überrascht sein. (Frei
nach Karl Farkas: Seh’n Sie sich das an.)
---------
(2005-12-28 - Leider war es mir noch nicht möglich, die angekündigte
fundierte Recherche durchzuführen.
Vorab jedoch so viel:
a.
Viele der Waren des täglichen Gebrauchs sind in den östlichen
Nachbarländern ebenso teuer wie bei uns, mitunter sogar noch teurer.
b.
Die Löhne und Gehälter in der Produktion und im Handel dieser Waren
liegen im Schnitt weit unter unserem Niveau, mitunter verdienen die
Menschen dort ein Fünftel dessen, was die Firmen bei uns bezahlen
(müssen).
c.
Viele der Waren, die in unseren Nachbarländern angeboten und verkauft
werden, sind aber bereits Produkte, die im Land selbst produziert werden.
Was das bedeutet?
d.
Bei Waren, die zu einem Fünftel unserer Arbeitskosten produziert werden
und bei welchen die Preise unserem eigenen Niveau entsprechen, ist es für
unsere Mitmenschen jenseits unserer Grenzen eine Abzocke der übelsten
Art!)
---------
3.
Damit neue Arbeitsplätze geschaffen werden! Werden sie geschaffen?
Nein, werden sie nicht, und wenn, dann wieder nur sehr bedingt! Es müsste
nämlich heißen: Werden vollwertige Arbeitsplätze geschaffen? Arbeitsplätze,
von deren Arbeit bzw. Bezahlung man auch leben kann?
Werden sie? Nein, nein und nochmals nein.
-
Wenn überhaupt dann werden neue Teilzeitplätze geschaffen.
Teilzeitplätze, die als Ersatz für Vollzeit- und Vollwertplätze dienen,
die man im Gegenzug dazu vermehrt abzuschaffen bemüht ist. Es gibt nämlich
keine Vereinbarung zwischen den Sozialpartnern, dass zumindest ein
gewisser Prozentsatz an Vollzeitplätzen erhalten bleiben muss. (Wenn
doch so bitte ich um Benachrichtung).
-
Der einzige Effekt ist, dass die Handelsangestellten, das
Verkaufspersonal, noch mehr unter Druck kommen als bisher. Die psychische
Belastung jener, die auf einen Arbeitsplatz angewiesen sind, wird erneut
erhöht, bei manchen steigt sie ins Unermessliche, um nicht zu sagen ins
schier Unerträgliche. Krankheit, zerrüttete Familien und
Verzweiflungstaten nehmen kontinuierlich zu, parallel dazu auch die Armut.
Die Lebensqualität sinkt weiter, die Macht der Betriebe auf dem
Arbeitsmarkt wird weiter verfestigt.
WAS
ALSO IST DIE TRIEBFEDER DES BEGEHRENS?
Ganz
einfach: Den Marktanteil – und damit die Macht - zu erhöhen! Na und,
ist doch normal, oder?.
Mag
sein dass es normal ist, aber nicht alles was normal ist, ist auch
wirklich gut, sinnvoll und hilfreich. In diesem Fall hat es sogar
drastische Auswirkungen. Welche?
-
Gehen Sie einmal durch die Lerchenfelderstraße (ein Beispiel von
vielen). Diese war einmal eine anerkannte Einkaufsstraße und wenngleich
nicht eine der ersten, so gab es doch etliche interessante Geschäfte.
Doch nun werden Sie dann, wenn Sie schon lange nicht mehr dort waren, überrascht
sein, wie abgesandelt sie jetzt ist. Viele Geschäfte stehen leer, mancher
Lokale Erscheinungsbild ist eher abstoßend und viele Bewohner der Gegend
sehen ihre Nahversorgung schon gefährdet.
Was aber hat das beispielsweise mit dem
Marktanteil zu tun?
Zuvor haben wir festgestellt, dass die vorgebrachten Argumente der Befürworter
eine Mär sind. (Könnte man sicherlich auch anders bezeichnen.) Das heißt,
ein neu gewonnener Marktanteil geht zu Lasten der vielen kleinen
Handelsunternehmen, die über viele Jahrzehnte die Nahversorgung der Bevölkerung
sichergestellt haben.
Wie das zu verstehen ist? Nun:
- Wenn beispielsweise die Geschäfte in den Einkaufstempeln ihren
Marktanteil vergrößern, dann heißt das zwangsläufig, dass wieder
irgendwo die kleineren Geschäfte Umsatzverluste gemacht haben. Die Folge
davon: Noch höhere Verluste, noch größerer Kaufkraftabfluss, Konkurs
– zumeist mit unweigerlich folgendem Ausgeliefertsein gegenüber den Gläubigern,
vor allem den Banken, und - besonders schlimm – der Verlust weiterer
Arbeitsplätze.
-
Wenn eine Sonntagsöffnung kommt, dann kann der Großteil der
Kleinbetriebe nicht mithalten, und wenn, dann
- entweder nur durch viel höhere Kosten aufgrund der Lohnaufschläge,
oder
- nur durch sehr massiven Verlust an Lebensqualität, weil deren Eigentümer
selbst hinter der Pudel stehen müssen. Das wieder bedeutet für einen Großteil
dieser Handelstreibenden einen weiteren sozialen Abstieg. (Die Betonung
liegt hier auf weiteren.)
-
Damit nicht genug: Für den Konsumenten hat es weitere
schwerwiegende Konsequenzen:
- Wenn die Marktkonzentration steigt, so steigt damit auch die Macht der
Konzerne. Diese können dadurch weiteren Druck auf die – noch
verbliebenen – mittelständigen Produktionsbetriebe des täglichen
Bedarfs ausüben. Das heißt, sie steigern beispielsweise den Absatz der
Eigenmarken a la CLEVER durch Preisnachlässe und Preisstützungen und
zwingen dadurch die mittelständigen Betriebe zu noch größeren Nachlässen
und sonstigen Vergünstigungen. Die Folge:
-
Deren Margen sinken weiter, die Rentabilität ist gefährdet, die Abhängigkeit
von den Geldinstituten vergrößert sich, und irgendwann ist es dann
unweigerlich aus. Aus für den Betrieb, für die Wertschöpfung, die
Einnahmen des Staates für Steuern und Sozialsystem und letztlich wieder für
in die Hunderten gehende Arbeitsplätze.
(Für den kleinen Unternehmer heißt es dann lapidar: „Kennen Sie Ihren
Mitbewerb? Ja, na dann wissen Sie ja selbst genug: Bei uns sind Sie
ausgelistet!“ Schmecks, das war´s dann. Und das ist leider nicht erfunden, es
ist das eine Begebenheit aus eigener Erfahrung.)
Und langfristig noch ein Nachteil für die Konsumenten: Die Zahl der
Produzenten sinkt, die Auswahl an Produkten ebenfalls. Damit wird aber
auch die Qualität laufend schlechter, denn dann haben die Großkonzerne
beinahe schon uneingeschränkte Macht. Die große Gemeinschaft der
Verbraucher zeichnet dagegen nur eines aus: OHNMACHT.
-
Wenn Sie – ja, Sie – nun weiterhin aus Bequemlichkeit, Trägheit
oder was sonst auch immer – für verlängerte Öffnungszeiten im Handel
sind, so ist es sicherlich Ihr gutes Recht, zugegeben. Es ist aber auch
das gute Recht jedes anderen Konsumenten, Sie – ja, wieder Sie – auf
die Konsequenzen für alle – auch für Sie – aufmerksam zu machen.
Vielleicht würden Sie diese im Moment auch gar nicht stören, aber muss
das für alle Zukunft so bleiben? Sind Sie sich dessen wirklich sicher?
Das
ist auch das Problem in der Szene der Arbeitslosen: Solange man nicht
selbst betroffen ist, möchte man davon nichts wissen. Und bei
Betroffenheit möchte man darüber nichts sagen, geschweige denn, sich zu
outen oder gar zu engagieren. Es ist das ein Teufelskreis!
Ich dürfte Sie nicht einmal dazu ermuntern, Betriebe, die von ihren
vehementen Forderungen nach Sonntagsöffnung nicht abzurücken bereit
sind, zu meiden. Hiermit verzichte ich auch ausdrücklich darauf, Sie –
ja, Sie! – zu irgend etwas zu ermuntern, aufzufordern oder was sonst
auch immer. Ich tu das aber auch ganz ausdrücklich unter schärfstem
Protest, denn für mich ist das eine ganz eklatante Einschränkung meiner
ganz persönlichen Menschenrechte, eben als Mensch, als Konsument und als
mündiger Staatsbürger der Republik Österreich. Für mich ist auch es
eine Schande, dass die Menschen sich das so ohne weiteres gefallen lassen.
Zu einem kann, möchte und werde ich Sie hiermit aber schon
auffordern:
Helfen
Sie mit, dieses Gesetz zu eliminieren, zwingen wir die Politik, die
Interessen der Konsumenten, der arbeitenden Bevölkerung – soweit es
noch etwas zu arbeiten gibt - zu wahren und nicht jene der Großkonzerne!
Wie
Sie helfen können? Vielschichtig, unter anderem mit der Beantwortung
folgender Fragen:
1/
Wie ist die Gesetzeslage in der EU generell?
2/
Wie in Ländern ausserhalb?
3/
Welche Möglichkeiten gibt es, gegen dieses Gesetz im Rahmen der EU und
auch international dagegen anzukämpfen?
4/
Wer hat dieses Gesetz ursprünglich erlassen und wann, wer ist ursächlich
dafür verantwortlich?
5/
Was war der Anlass dazu?
6/
Was können wir gemeinsam dafür tun, dieses Gesetz zu eliminieren?
PS.: Ein Aspekt ist hier noch nicht zur Sprache
gekommen: Die Lebensqualität unserer Gesellschaft im Falle, dass die
Ladenöffnungszeiten freigegeben werden. Werden wir gemeinsam nachtragen,
okay?